Anders- anders sein- Mein Name ist Programm

Anders zu sein als die anderen ist gar nicht so schwer, wenn man weiß ,wie schön es ist, anders zu sein
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Wie Sie lernen aus ihren Erfahrungen die bestmögliche Lehre zu ziehen und sich selbst mit der Aufmerksamkeit gegenüber treten, die sie brauchen.
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Ich bin Leonard Anders. Und ich bin wirklich anders. Mein Name ist Programm. Soviel Selbst- Bewusstsein (Bewusstsein für das eigene Selbst) oder Selbst- Vertrauen (Vertrauen in die eigene Stärke) wirkt auf manche Menschen beängstigend, fast schon er- oder abschreckend. Sich über das Selbst im Klaren zu sein bedarf dem Vertrauen in die eigene Stärke und beides zu erlangen, scheint für viele Menschen das Schwerste auf dieser Welt zu sein, anders kann ich mir es nicht erklären warum wir Menschen in der westlichen Welt gegen „etwas“ kämpfen, obwohl es im Grunde nichts ist, was unsere Existenz bedroht, es sei denn, man möchte es unbedingt auf sich beziehen. Aber selbst wenn man es auf sich beziehen möchte, schließt das für mich vorab zumindest die Entscheidung mit ein (ob jetzt bewusst oder unbewusst) sich permanent diesen oder jenen Schuh anzuziehen, auch wenn es nicht der eigene ist.
 
Ich habe schon in einem anderem Kontext versucht zu erklären, was der Unterschied zwischen eigener Meinung und Tatsache ist. Meinungen sind verschieden und die Bildung dessen haben immer mit der eigenen Lebenswirklichkeit zu tun. Es sind die Erfahrungen die uns zu dem machen was wir sind. Tatsachen sind in der Tat Sachen, die passieren. Aber wie wir dazu stehen, legt jeder Einzelne selber fest. Also selbst aus einer Tatsache heraus ergibt sich eine eigene Meinung. Der eine findet die Tatsache gut, dass Belgien gegen Brasilien gewonnen hat. Der nächste dagegen findet es schade, dass die WM ab dem Halbfinale einer EM gleicht. Die Tatsache ist, dass Brasilien als letzte nicht- europäische Mannschaft ausgeschieden ist. Wie man das jetzt findet, ist immer subjektiv, also der eigenen Lebenswirklichkeit entsprechend, ist aber letztendlich nur eine Bewertung dessen, also keine Tatsache, sondern wie schon beschrieben nur die eigene Meinung. Und diese muss nicht jeder teilen.
 
Warum ich nun diesen Text schreibe möchte ich Ihnen gerne erklären. Ich möchte Ihnen anhand meiner Person erklären, wie schön es ist, anders zu sein. Meine Meinung ist anders. Ich stehe dazu. Ich ver(traue) mir dahingehend und bin mir über mein Selbst absolut bewusst.
Ich bin mir aber keineswegs darüber bewusst, wie ich auf andere wirke. Und ich glaube dass kann niemand so genau sagen.
Zum einen sind Menschen verschieden. Zum anderen reagieren Menschen unterschiedlich.  Jeder reagiert also individuell auf mich. Und auch ich reagiere anders auf Menschen. Ich habe gelernt dass Meinungen immer subjektiv sind, also keiner Tatsache entsprechen. Entsprechend werte ich Meinungen anderer, die meiner widersprechen auch nicht mehr als Angriff. Dieses zu lernen war sehr schwer. Ich habe früher zu meinen depressiven Zeiten jede andere Meinung als Angriff gesehen und meistens an Selbstmord gedacht. Ich hielt mich selbst für nicht liebenswert und dachte, die Welt sei ohne mich viel besser dran.
 
Zu den Zeiten wo ich besonders aggressiv war dagegen dachte ich an Rache. Ich wäre am liebsten Amok gelaufen und hätte die Menschheit vernichtet. Ich habe die Menschheit einfach gehasst. Und ich hielt mich auch für besser. „Alles Arschlöcher außer ich“. Man könnte sagen, ich war verbittert. Es ist fast ein Wunder, dass ich keine meiner teilweise sadistischen und menschenverachtenden Gedanken verwirklicht habe. Ich stand einige Male kurz davor. Wer mich aus diesem Kontext heraus kennt, wird mir sicherlich zustimmen. Und ich gebe zu, ich habe auch darunter gelitten. Ich habe sowohl darunter gelitten meine ALLmachtsphantasien nicht ausleben zu können (ich befürchte mir fehlte der Mut), als auch darunter diese Gedanken überhaupt zu haben. Ich wollte diese Gedanken nicht haben, und habe sie stets abgewehrt. Ich habe sie mir schön geredet und sie versucht zu unterdrücken. Dennoch blieben diese „blöden“ Gedanken in mir, was meine Tage zu wahren Kämpfen zwischen mir und der restlichen Welt (besser gesagt meinem Umfeld) machte. Andererseits aber hatte ich noch einen Fünkchen Hoffnung in mir, dass es anders werden würde.
 
Im Gegensatz zu früher gehe ich nun anders mit den Meinungen anderer um, wenn die denn anders sind. Ich versuche Meinungen mir anzuhören, darüber nachzudenken und dann zu entscheiden, wie ich damit umgehe. Das heißt, ich nehme sie im ersten Moment an. Dann analysiere ich den Inhalt und gehe auch auf mein möglicherweise verletztes inneres Kind ein, mehr noch leite ich erste Maßnahmen zur Selbsttröstung ein bevor ich dann zum Schluss entscheide was ich nun tue. Da ich eine andere Meinung somit nicht mehr als Angriff bewerte, muss ich diese auch nicht mehr auf mich beziehen um diese dann anschließend abzuwehren. Die Meinungen anderer haben mehr mit ihrer Lebenswirklichkeit zu tun, als mit mir als Mensch. Mein Verhalten wirkt auf das ein, was in ihrem Unbewusstsein gespeichert wurde.
 
Ich rede hier ganz allein vom sozialen Kontext, nicht von skrupellosen Straftaten.
 
Ein Mensch dass Opfer einer Straftat wurde, ist nicht nur rein subjektiv ein Opfer. Wer sich jedoch in einer Beziehung zwischen zwei Menschen in einer Rolle die sich hilflos ausgeliefert fühlt, wieder findet, hat (wenn auch unbewusst) sich dazu entschieden, sich dem ganzen Treiben (im Inneren und Außen) zu fügen und sich somit womöglich selbst anzulügen. (Ausnahmen sind Kinder und andere Personen, die sich in einer offensichtlichen Abhängigkeitsbeziehung befinden, z.b. Schutzbefohlene).
 
Unwissenheit schützt nicht vor neuen einschneidenden Erfahrungen und der Wiederholungszwang nach Siegmund Freud ist zwar in der Theorie gut erklärt, aber in der Praxis zu oft noch von unerklärlichen Impulsen umgeben, die ein Ablegen der Rolle nur schwer möglich macht. (Habe ich in meinem ersten Buch im Übrigen erklärt, auch warum es so schwer ist, ein altes Muster abzulegen und natürlich den Wiederholungszwang als solchen). Im Übrigen ist es auch ein Zwang sich immer wieder von anderen helfen zu lassen, statt sich selbst zu helfen. Auch scheint es ein Zwang zu sein, sich immer wieder in den „Falschen“ zu verlieben oder die „Falsche“ Entscheidung zu treffen, wobei eine Entscheidung wie bereits erklärt, immer aufgrund diversen Erfahrungen zu dem gemacht wird, was sie nämlich ist- unsere eigene Entscheidung (die aus unserer Sicht richtig ist, weil nicht anders gelernt!). Und dafür tragen wir die Verantwortung!!!
 
Dazu zwei praktische Beispiele aus meinem Leben. Beide Erfahrungen sind aktueller denn je, denn beide habe ich heute gemacht (Sonntag 08.07.2018)
 
Ich bin heute Mittag kurz nach 13 Uhr erwacht. Gestern war ein Konzert wo ich als Bandbetreuer eingesetzt war. Da keiner aus der Band nüchtern bleiben wollte, habe ich mich später dazu bereit erklärt die Band zum Hotel zu bringen. Ich bin ja seit kurzem einem Kollektiv welches selbstverwaltend Konzerte veranstaltet und ein einen Großteil des Gewinns einem sozialen Zweck spendet. Mein Berater (ja auch ich habe so etwas) meinte noch zu mir „Back to The Roots“. Ich war ja vor meiner Tätigkeit als Autor, Coach und Altenpfleger selbst mal Inhaber einer Booking- und Konzertagentur. Damals gab ich auf, weil ich ein Kontrollfreak war und nichts delegieren konnte. Am Ende stand meine Insolvenz und mein zweiter narzisstischer Zusammenbruch, resultierend mit meinem zweiten Suizidversuch!!! für den ich auch die Verantwortung trage. Die anderen können nämlich nichts für meine schlechten Erfahrungen und meinem daraus resultierenden Misstrauen, was ich vielen Menschen entgegen gebracht habe. (Ich zeige mich bewusst ehrlich, weil ich lügen und sich dem Schicksal fügen für unverantwortlich mir selbst und anderen gegenüber halte).
 
Nach erfolgreicher Therapie verbunden mit einer 8 jährigen Auszeit von meiner Booking und Veranstaltungstätigkeit wurde ich angesprochen von jemandem aus dem Kollektiv, durch den ich dann dem Kollektiv beitrat. Und ich freute mich, weil vieles einfach schon jahrelang super gut lief. Und ich war froh darüber, dass meine angebotene Hilfe gerne angenommen wurde. So konnte ich neben guten Erfahrungen auch noch einiges Neues lernen, was mich zusätzlich motivierte.
Nun… ich bin aber durch meine Erfahrungen und meine Selbstfindung in vielen Dinge offener und kommunikativer geworden. Meinen Perfektionismus konnte ich zwar noch nicht komplett ablegen und auch mein Helfersyndrom ist noch in Ansätze vorhanden, aber wie ich mittlerweile weiß, muss man nicht alles an sich oder anderen pathologisieren- Hauptsache man fühlt sich gut dabei. Und ich fühlte mich angenommen und auch akzeptiert.
 
Bis ich dann heute eine Email bekam. Es war genauer genommen ein Pamphlet, also eine überzogene und überspitze Meinungsäußerung mit dem Ziel mein Handeln und meine Person öffentlich abzuwerten. Es erinnerte mich an mich. Früher… als ich im Kampf gegen Alle und Mich war, reagierte ich auch so. Der Verfasser der Email kotzte sich aus. Und ich gebe zu, meinen Schutzschild gefiel das gar nicht, mein inneres Kind verletze es auch, aber mein Verstand (mein gesunder Erwachsener, also mein gesunder Anteil) erkannte dies und blieb cool.
 
Ich lasse ihm seine Meinung!!!
Es ist seine Meinung. Und er schaffte es nicht mir das ins Gesicht zu sagen. Lieber schrieb er es über den Verteiler via Email. Und er tat das, was bis vor einiger Zeit noch eine Totsünde, vergleichbar mit einem Tornado, gewesen wäre. Er stellte mich öffentlich bloß, bzw. er versuchte dies. Da ich aber seine Meinung nicht mehr als Angriff sehe, konnte ich ganz viel Wind und Wut aus der Sache nehmen und mich somit regulieren. 
 
Klar tat es im ersten Moment weh. Aber dann lächelte ich. Und ich atmete und ich freute mich, dass sich dieser Fünkchen Hoffnung aus der Zeit von damals nie verabschiedete sondern am Leben blieb. Denn nun ist mein Leben anders. Und ich helfe anderen Menschen als Coach oder Berater um in ähnlichen Situationen sich selbst tröstend zur Seite zu stehen. Ich bin jetzt Erwachsen und kann meinem inneren Kind das geben, was es brauch- nämlich Aufmerksamkeit. Und die gab ich mir dann auch.
Ich habe mir aus dem Gefrierfach ein Eis geholt, mir einen Kakao gemacht, mir ein Buch geschnappt und mich in die Badewanne gelegt.
Sie können auch stattdessen raus gehen, achtsam meditieren, laute Musik hören, im Grunde alles was Ihnen hilft sich zu entspannen oder eben das, was ihnen gut tut.
 
Und damit läute ich das zweite Beispiel ein,. Das Buch was ich las, war ein Buch von Deutschlands bekanntestem Strafverteidiger Steffen Ufer. Der Titel lautet „Gerechtigkeit ist keine Verhandlungssache“. Und da las ich eine Geschichte über sinnlose Polizeigewalt. Da hat ein Polizist einem Flüchtigen Kleindealer von hinten in den Nacken geschossen. Der Mann war sofort tot. Der Fall ging damals auch deutschlandweit durch die Presse. Der Kleindealer war unbewaffnet und stellte keine größere Gefahr für die Bevölkerung dar. Der Polizist der den Mann erschoss, sollte eigentlich bei einem Fußballspiel seinen Dienst schieben, wollte aber unbedingt auf Verbrecherjagd gehen.
Das zu lesen triggerte in mir was.
 
Früher habe ich auch aus Spaß bei der Bullerei angerufen um mir Aufmerksamkeit zu holen. Mal wollte ich mich umbringen, mal bezichtigte ich mich irgendwelcher Straftaten und mal bin ich besoffen auf Brückengeländern balanciert. Mehr als eine Nacht in der Ausnüchterungszelle die auch noch von der Amtsärztin unterbrochen wurde, die mich nach Hause schickte, sprang nicht heraus. Und dennoch habe ich daraus gelernt.
 
Die Gedanken die ich aber beim Lesen hatte, waren übler als alle anderen die ich jemals zuvor hatte. Ich habe mir vorgestellt wie ich die Polizeiwache betrete, der Polizei das Buch vor die Nase halte und darum bitte die Geschichte nach zu spielen. Ich würde einen Polizisten beleidigen, er soll mich verfolgen und mir dann auch in den Nacken schießen. Ich wollte damit beweisen, dass Polizisten auch nur Menschen sind und keine Götter, wie ich manchmal das Gefühl habe, wie manche Polizisten sich sehen. Doch bei dem Gedanken „Polizisten sind auch nur Menschen“ kam mir die Zweideutigkeit zu Hilfe. Ja Polizisten sind in der Tat auch nur Menschen. Und auch diese Menschen haben eine Lebenswirklichkeit mit Erfahrungen, Entscheidungen, eigener Meinung usw. Jedenfalls half mir dieser gesündere Gedanke dabei meine Emotionen runter zu fahren. Ich legte das Buch beiseite und genoss das Bad.
 
Und das kann ich Ihnen auch empfehlen. Versuchen sie jeden Moment zu genießen. Lassen sie sich nicht von ihren Gedanken vorschreiben, wie sie sich zu verhalten haben. Oft ist etwas nicht so, wie man denkt, oft ist es anders und dann zahlt es sich auch aus, sich anders zu verhalten, also auch anders zu sein. Ich habe in meiner längeren Auszeit jedenfalls verstanden worum es geht. Es geht darum „Gerne anders“ zu sein. Und ich bin jetzt da, wo ich sein will und froh nicht mehr da zu sein, wo ich war. Ich war am Ende. Ich war unten. Und jetzt bin ich da.
 
Ich komme langsam an. Ich gebe mir jeden Tag diese Chance, mein Leben so zu leben, wie ich will. Ich entscheide mich also auch dafür bewusst anders zu sein. Ich schenke mir bewusst das Vertrauen auf meine Stärken zu schauen. Und wenn ich mich mal schwach oder hilflos fühle, dann tröste ich mich selbst, indem ich mich mir selber zuwende um mir dann zu geben, was ich brauche. „Selbstaufmerksamkeit“.