Dein Stempel ist deiner, aber nicht meiner

Über Phantastische Papierwelten, erstellt von Papierautoritäten oder über die sich selbst pathologisierende Gesellschaft (Mein versuchter Weckruf an die Schulmedizin)

Wer ist Dorian Gray? Für mich ist er eine Romanfigur erschaffen von Oscar Wilde. Wer ist Peter Pan? Für mich ist er eine Filmfigur erfunden von Walt Disney. Und Wer oder was ist ein Narzisst? Für mich ist das ein Mensch, mit einschneidenden, traumatisierenden und prägenden Kindheitserlebnissen. Was ist ein Borderliner? Dasselbe! Wem nützt dieses Wissen? In erster Linie den Krankenkassen, die aufgrund einer Diagnosestellung ihre Zustimmung für eine Psychotherapie erteilen.

Warum arbeiten viele Coaches und Heilpraktiker nicht mit den starren Begriffen der ICD-10? Weil man keine Diagnose behandelt, sondern nur die zugrunde liegende Problematik unter der der Patient/ Klient leidet, weswegen er den Therapeuten aufsucht? Ist es der Narzissmus? Ist es das Borderline? Oder sind das die Symptome und Auswirkungen die viele Kliniker, also Psychiater und Psychotherapeuten aufgrund von Beobachtungen mit einem Überbegriff versehen (müssen)? Stempel druff und ab dafür. Und wer nicht spurt, für den gilt, da ist die Tür. Vielleicht übertreibe ich gerade. Vielleicht geben mir manche aber auch Recht. Nun jegliche Beobachtung ist subjektiv. Wie kommen sonst so viele unterschiedliche Diagnosen zu Stande?

Marsha M. Linehan die Erfinderin der DBT Therapie bekam auch einen Haufen von Diagnosen mit unterschiedlichen Therapieempfehlungen. Aber keine der Therapien die man ihr verordnete schlug an, also entwickelte sie eine eigene Therapieform, welche nun weltweit angewandt wird.

Nun es gibt viele Diagnosen. Viele Symptome ähneln sich oder überschneiden sich. Der eine bezeichnet die Unfähigkeit geistig zu reifen als infantiles Verhalten, der nächste sagt Peter Pan- Syndrom und der Übernächste diagnostiziert eine dependente Persönlichkeitsstörung. Und wer hat jetzt recht?

Meines Erachtens hat derjenige recht, dessen Methode am besten hilft. Und Manchmal brauch der Patient auch etwas anderes, als vom Therapeut oder Arzt verordnet.

Auch Ärzte können sich irren. Auch deren Wahrnehmung kann ihnen einen Streich spielen. Man sieht etwas und stellt aufgrunddessen eine Diagnose, obwohl der Betreffende in Wahrheit unter etwas ganz anderem leidet. Ich möchte hiermit zum Ausdruck bringen, dass meines Erachtens Diagnosen wenig hilfreich sind, wenn es darum geht die Symptomatik eines Patienten effektiv zu lindern. Menschen sind keine Nummern oder Zahlen. Menschen sind Menschen, also Lebewesen aus Fleisch und Blut, ausgestattet mit Instinkt, Ego- Selbst (inneres Kind oder auch Seele) , Ego-Ideal (Schutzschild, Tun- Modus, Bewältigungsmuster) und oft (nicht immer) auch dem Über- Ich, also der Fähigkeit zu reflektieren oder sozial zu lernen.

Woher ich das weiß?

Nun wenn man sich mit wissenschaftlicher Literatur auseinander setzt um solch Texte zu verfassen, verwendet man bestenfalls auch die Sprache der Wissenschaftler, Kliniker und Forscher, also die, die ich mit diesem Text vorrangig ansprechen möchte. Ja liebe Ärzte und Therapeuten, die noch mit den sehr starren Begriffen herum werfen, was habt ihr davon?

Ja.- das Argument mit den Krankenkassen kann ich zwar verstehen, aber könnt ihr diese nicht dazu bewegen auch umzudenken, also quasi mit der Zeit mit zu gehen? Ihr predigt doch dauernd, man soll an sich denken, für sich sorgen und sich was Gutes tun. Dann könntet ihr euch ja auch etwas gutes tun, etwas, was euch langfristig die Arbeit leichter macht. Ein Stempel ist wie ein Stigma. Man hat es und wird es nicht los. Die Begründungen sind teilweise auch hanebüchen, denn jedes Symptom wirkt sich bei jedem Menschen anders aus. Allein von der Intensität oder wie es sich anfühlt, da liegen oft Welten zwischen.

Ihr redet doch immer von Selbstmitgefühl. Dass man lernen soll für sich zu sorgen und so viel mehr. Und am Ende ist dann die Diagnose das Hindernis, was uns das ein oder andere einfach verbaut. Ein Lehramtsstudent mit depressiven Schüben, aufgrund chronischer Überforderung oder Erschöpfung, wird gern als Persönlichkeitsgestörter klassifiziert. Das Burn Out beschreibt ja nur einen Zustand, aber das ist keine Zahl, die im ICD anerkannt ist. Im Endergebnis ist das Studium dann im Arsch. Könnt ihr das so verantworten? Denkt mal drüber nach.

Ok. Aber am Ende seid ihr auch nur Menschen. Ihr seid Teil der Gesellschaft. Auch ich bin Teil dessen und ich übernehme gerade Verantwortung. Mag sein, dass ich somit bei Euch oder auch anderen anecke. Ich halte euch den Spiegel vor, genauso wie ihr uns in der Therapie immer wieder spiegelt. Aber was ist denn, wenn ihr euch unbewusst uns gegenüber grenzüberschreitend verhaltet und wir euch das zurück melden? Nehmt ihr das dann an oder gibt’s dann wieder eine Zahl in euren schlauen AKTEN?

Ärzte und Therapeuten sind im Grunde ein Spiegel unserer Gesellschaft. Nur Ärzte und Therapeuten haben tatsächlich irgendwann einmal eine Ausbildung gemacht, welche es Ihnen erlaubt eine Diagnose zu fällen. Soweit ich weiß umfasst diese Ausbildung das Auswerten von Wahrscheinlichkeiten, Beobachtungen und Häufigkeiten oder Vorkommen von Verhaltensauffälligkeiten bei den ihnen anvertrauten Patienten.

Ein Spiegelbild daher, weil das Internet ein Haifischbecken voller Hobbypsychologen darstellt. Da heißt es dann, nur weil der so oder so ist, muss der das oder das haben. Dass er was anderes haben kann, wird nicht gesehen, nein er ist das oder das, weil im ICD-10, welches im Internet jedem zugänglich ist, drin steht, dass jemand das oder das hat, wenn er sich so oder so (in unseren Augen, laut unseren Beobachtungen) verhält.

Da ist jemand, der uns stört, also muss der gestört sein. Nur wer gibt’s uns das Recht jemanden aufgrund eines Verhaltens, was uns nicht gefällt mit einem Stempel zu versehen? Vielleicht hat sein Verhalten ja einen Grund? Vielleicht ist uns sein Verhalten aber auch nur suspekt, weil wir das nicht kennen. Nun auch das ist möglich. Und dann heißt es, was der Bauer nicht kennt, gibt es nicht und was es nicht gibt, darf nicht sein. Aha, es darf nicht sein? Wen muss man da denn um Erlaubnis bitten? Jeder wird individuell geprägt, mit dem, was das Umfeld (in der Regel die Eltern) einem vorlebt. Und dann begegnen wir, jemanden, der es anders gelernt hat. Und dann nehmen wir uns einfach das recht heraus, diesen jemanden als krank zu betiteln?

Ich möchte nun auch das ICD-10 hinterfragen. Ja, da stehen ja auch nur Beobachtungen drin, getroffen von Menschen, die das einfach mal so behaupten konnten.

Der Narzissmus als Krankheitsbegriff z.B. wurde übernommen von den Freudschen Thesen, welcher auch nur aufgrund der Sage des Narzissos argumentierte. Dieser war laut Sage verliebt in sein Spiegelbild. Auch wurde in der Sage überliefert, dass Narzissos beim Versuch sich selbst zu umarmen ertrank. Was ist denn eine Sage genau? Eine Sage ist eine freie Übermittlung eines Sachverhalts welcher sich möglicherweise so zugetragen haben kann. Das heißt also auch, dass es auch anders gewesen sein könnte, oder etwa nicht? Könnte es nicht auch so sein, dass die Nymphe Echo Narziss in See schubste, aus Neid, weil er einfach so schön war? Vielleicht fand sich Echo ja selber hässlich? Vielleicht war sie aber auch wirklich hässlich oder aber sie selbst sah sich im Vergleich zu Narziss einfach nur so. Wer kann das so genau wissen? Narzissten sollen ja auch neidisch sein. Vielleicht aber sind Narzissten auch einfach nur schön, selbstbewusst und alle anderen sind nur auf sie neidisch? Kann das nicht auch sein? Wie kann man sich da sicher sein?

Ich meine, wenn man den Überlieferungen der Bibel glauben schenkt, wurde Kain durch seinen Bruder Abel auch aus Neid erschlagen. Vielleicht war das so? Oder war das vielleicht auch andersherum? Wie dem auch sei, dies alles möchte ich gerne hiermit zu Bedenken geben. Es kann so sein, es kann aber auch anders sein. Achtsamkeit ist ja nicht nur eine Methode die wir Patient erlernen um besser für uns sorgen zu können, in stressigeren Situationen. Achtsamkeit ist auch was für euch Ärzte und Therapeuten. Oder glaubt ihr, dass ihr aufgrund eures Berufs von einer psychiatrischen Diagnose gefeit seid? Ich bin mir sicher, dass es auch unter euch einige Narzissten, Borderliner, Depressive oder Leute mit Burn Out gibt. (Vorsicht vor Diagnosen!!! uff… ja… das ist auch nur eine Beobachtung meinerseits) Und ja, das ist einer der Gründe, warum ich auch dieses Buch geschrieben habe. Ich wollte uns allen die Möglichkeit geben tief in uns zu schauen, unsere aller Glaubenssätze zu hinterfragen und uns allen auch die Chance geben uns reflektiert auf Augenhöhe zu begegnen. Und das gilt für Therapeuten jeder Art, ob nun Schulmedizin, alternative Medizin, für jeden Menschen, der das liest oder auch nicht liest, und selbst auf Susanne Grieger- Langer trifft das zu. Ja auch Sie möchte ich dazu einladen, in sich zu gehen.

Ihr seid ok, wir sind ok, oder um es in der altbekannten Redewendung nochmal zu Papier zu bringen: Du bist ok, Ich bin ok, Jeder ist ok.

Und wem das jetzt weh tut, der hat das Problem. Aber merke dir eins… dein Stempel ist deiner, aber nicht meiner.