Der innere Schweinehund ist auch nur ein Tier, was nach Liebe sucht

Kennen sie das Gefühl müde zu sein, auch wenn sie gut geschlafen haben? Haben sie sich schon gefragt woher die negativen (und auch beklemmenden und verängstigenden) Gefühle kommen, die auf einmal da sind, obwohl es ihnen vor kurzem noch recht gut ging?

Früher kannte man Stimmungsschwankungen nur als Begleiterscheinung der Menstruationsblutung. Mittlerweile weiß man, dass Stimmungsschwankungen ein Bestandteil von vielen seelischen Krankheiten ist, allen voran der Depression. Während gerade die Depression Ende des 20. Jahrhunderts als Seniorenkrankheit bekannt war, wurde sie Anfang des 21. Jahrhunderts zu einem Massenphänomen, an dem viele Menschen bereits mit Mitte 20 erkranken. Studien zu Folge verläuft die Depression bei 30% aller Erkrankten chronisch und bestimmt deren Leben.

Erst in den Neunziger Jahren fand man heraus, dass im Hintergrund unseres Denkens bestimmte Prozesse ablaufen, die langanhaltende Phasen der Erschöpfung und Verstimmung auslösen und uns daran hindern für unser inneres Kind zu sorgen. Wir sehen uns öfters den Gedanken ausgesetzt, was andere von uns erwarten, was wir befürchten und was wir noch schaffen müssen. Wir sind rastlos immer auf Achse. Die Ampel unserer Amygdala (Teil des Gehirns, welches für Emotionen wie Angst und Furcht zuständig ist) steht permanent auf Rot. Wir fühlen uns nicht mehr in der Lage unseren Alltag zu meistern, schieben Aufgaben vor uns her, sind öfters gereizt und schaffen es nicht mehr für Entspannung oder Entlastung zu sorgen. Manch einer würde am liebsten einfach nur den nächsten Wald heimsuchen und los schreien, bis er heiser ist. Aber niemand will aus der Masse herausstechen. Niemand will sich die Blöße geben, Schwäche zu zeigen.

Und dann gibt’s da noch dieses Tier in uns, welches schon immer in uns war, und sich immer dann meldete, wenn wir glaubten wir müssten funktionieren. Die Rede ist vom inneren Schweinehund. Dieses Tier dient dazu, Dinge für Selbstverständlich zu erklären ohne eine Gegenargumentation zu erhalten, da man sich hinter dem Tier als eigenständiges Objekt versteckt und beliebig darauf verweisen kann. Das Tier ist unser Feind, welches sich ständig in unseren Weg stellt, wenn wir gegen die ganzen negativen Gefühle ankämpfen. Wir werden weder die Gefühle, noch das Tier los. Würden wir die Gefühle annehmen und somit das Tier nicht mehr als Schutzschild wahrnehmen und auch nicht als Feind, würde es uns viel leichter fallen, mit all den Emotionen umzugehen. Wir würden erkennen, dass all diese Emotionen berechtigt sind und sie raus lassen, statt sie ständig zu unterdrücken. Im Grunde ist der innere Schweinehund also auch nur ein Tier, welches nach Liebe sucht, statt bekämpft zu werden.

Unser Unterbewusstsein wurde in unserer Kindheit ausgebildet. Uns wurde vermittelt, dass Stress etwas schlechtes ist, wir also unsere Dinge sofort erledigen sollen, bestenfalls noch ohne sich Ruhepausen zu gönnen, weil es keinen Aufschub dafür geben darf. Dass man dadurch den Nährboden für weiteren Stress liefert, wird einem erst bewusst, wenn der innere Schweinehund sich gemeldet hat. Der sagt ihnen jedes Mal, wenn sie vor einer Aufgabe stehen, dass sie es nicht schaffen, dass sie niemals so gut sein werden, wie es die anderen von ihnen erwarten und dass all ihre Ängste real werden, wenn sie es nicht anders machen, sondern wie bisher mit dem Kopf durch die Wand.

Da es in diesem Buch um Achtsamkeit geht, ist es selbsterklärend, dass der innere Schweinehund ein Produkt ihres Unterbewusstseins ist, welches sich immer wieder und ganz plötzlich in ihrem „Tun“ bemerkbar macht. Anstatt aber näher hin zu schauen, schieben sie es bei Seite. Sie wollen es nicht haben. Sie bekämpfen es regelrecht. Sie werden es aber so nicht los. Sowohl ihr innerer Schweinehund als auch das Gefühl der Macht- und Hilflosigkeit klebt an Ihnen wie ein unliebsamer Mitesser am Mundwinkel.

Mit Hilfe von Achtsamkeit und auch mit Hilfe von Selbstsuggestion („Ich bin wertvoll, weil ich wertvoll bin“ oder „ich kann alles schaffen, wenn ich will“) werden sie erkennen, dass sie nicht kämpfen müssen. Sie wissen doch mittlerweile, dass der Kampf um den (Seelen-) Frieden ein Paradoxum darstellt. Mutter Theresa wusste dies schon, als sie vorschlug statt zu einer Antikriegsdemo zu einer Friedensdemonstration zu gehen. Warum soll man für einen Zustand kämpfen, wenn dieser durch „Nichtstun“ auch erreicht werden kann?

Ständig sind sie auf Achse und unterdrücken den Stress, indem sie sich ablenken, anstatt sich was Gutes zu tun. Ihre Freude werden nicht böse sein, wenn sie ein Treffen mal absagen um sich einen gemütlichen Abend alleine auf der Couch zu machen.

Ich wurde als Kind von meiner Großmutter verwöhnt. Es gab Nutellabrötchen zum Abendbrot und dazu ein Malzbier. Ich durfte in der Stube sitzen, während im Fernsehen eine Folge von Hallo Onkel Doc oder Kommissar Rex lief. Das, was ich damals konnte, kann ich jetzt immer noch und das einfach nur, weil ich es mir erlaube.

Und so verfahre ich auch mit dem Abwasch. Ich sehe diesen Berg Abwasch. Ich habe lange Zeit nicht abgewaschen weil ich meinen inneren Schweinehund mal wieder als Grund vorgeschoben aber, es nicht zu tun. Mit Hilfe von einigen Achtsamkeitsübungen habe ich erkannt, dass mein Schweinehund auch nur ein Tier ist, welches nach Liebe sucht.

Eine meiner Achtsamkeitsübungen war:“Bewusst abwaschen“. Ich habe mir einfach erlaubt etwas zu tun, was sonst immer wie ein Zwang in mir lastete. Ich tue mir selbst etwas Gutes. Ich kann mir Zeit nehmen. Ich habe keinen Stress. Ich nehme mir einfach die Zeit, die ich brauche.

Und das kann man im Arbeitsalltag auch.

Der schlimmste Stress den man haben kann, ist der, den man sich selbst macht. Und Manchmal hilft es einfach nur die Haltung zu verändern (sowohl, die innere, als auch die äußere). Also Rücken gerade, Brust nach vorn!!! Das kann die Stimmung schon heben.

Vertrauen sie mir- so wie Ihnen geht es auch anderen. Sie sind mit ihren Sorgen nicht alleine. Sie müssen nur genau hinschauen. Seien sie achtsam mit sich und gegenüber anderen. Machen sie den inneren Schweinehund zu ihrem Freund. Dann tut er Ihnen nichts mehr. Ich glaube an Sie. Sie schaffen das.