Kognitive Empathie- eine neue Perspektive

Geschwisterliebe kommt vor. Aber auch das muss nicht immer die Regel sein. Manche Geschwister sind zerstritten, oft geht es um frustrierte Bedürfnisse, wenn nicht sogar immer. Manchmal ist es der Streit ums Erbe, Meinungen des anderen, die man nicht akzeptieren kann, weil man sie auf sich bezieht oder einfach unterschiedliche Empathie, wir wissen ja, dass gerade hier die Barrieren am größten sein können, wenn der eine mehr fühlt als der andere und nicht nachvollziehen kann, warum der andere es anders sieht, fühlt oder es anders in Erinnerung hat. Sich in andere einzufühlen ist wahrlich eine große Kunst. Weil es heißt, dass man sich auch in sich einfühlen können sollte. Oft aber weiß ich nicht, was ich gerade fühle. Dann gilt es für mich inne zu halten und Kontakt zu mir selbst aufzunehmen.

Manche leiden einfach zu sehr, dass sie eben nicht mehr für sich oder andere so etwas wie Mitgefühl aufbringen können. Gerade wenn man selbst leidet, brauch man jemanden, der kühlen Kopf bewahrt und einem Trost und Zuversicht spendet, wenn man es selbst nicht mehr kann. Auch ich habe oft gelitten und ich war ungeduldig. Ich wollte immer bevorzugt behandelt werden. Ich drängte mich quasi in die Sonderrolle. Mein Leid stand über dem Leid anderer. Ich nahm vielen die Luft zum atmen. Und andere taten es mir gleich. Traurig 🙁

Subjektiv betrachtet ist mein Anliegen verständlich. Objektiv aber steht jedem die gleiche Aufmerksamkeit zu. Die anderen können nichts für meine schwach ausgeprägte Resilienz, wie auch ich nichts dafür kann, wenn die anderen gerade zu viel Empathie aufbringen. Wir wissen mittlerweile, dass es große Unterschiede gibt. Zu viel emotionale Empathie hindert uns daran unserem inneren Kind und dem inneren Kind der anderen das zu geben, was es brauch, nämlich Hoffnung. Mitleid ist auch Leid und wie ich gerade ausführte, hindert das Leid uns, uns irgendwie (ob nun gut oder schlecht sei mal dahingestellt) zu fühlen. Deswegen wird in vielen Therapien auch immer von kognitiver Empathie gesprochen, die man sogar lernen kann. Ich habe gelernt zu erkennen, wenn andere traurig sind oder ich selber traurig bin. Ich habe erkannt, dass man andere fragen sollte, ob man trösten darf, weil sonst Grenzen überschritten werden. Man selbst möchte ja auch gefragt werden, ob man angefasst werden darf. Ja ich liebe meine kognitiven Fähigkeiten, denn sie verhindern es oft, dass ich mich mitreißen lasse vom Strudel der Hoffnungs-und Perspektivlosigkeit, welche tagtäglich auf sämtlichen Kanälen uns überschütten mit Nachrichten und Informationen, die dazu beitragen, dass wir uns immer mehr von uns selbst entfernen. Denn bleibe ich bei mir, betrifft mich das alles da draußen nicht. Ich erkenne das Leid der anderen an, aber beziehe es nicht mehr auf mich. Denn so muss ich auch nicht mehr handeln und fühle mich auch nicht mehr dem Druck ausgesetzt, jetzt sofort zu reagieren.

Wissen ist leider oft nur kognitiv. Bis es auf der Verhaltensebene sich bemerkbar macht, dauert es seine Zeit. Man sollte sich diese Zeit aber nehmen. Denn das ist es auf jeden Fall wert. Die Bewusstwerdung des Selbst dauert mindestens genauso lange, wie der Weg zur Erkenntnis gedauert hat, warum man leidet und woher das kommt. Wenn man aber erst mal soweit ist, dann ist das Ziel in Sichtweite. Ich weiß wovon ich spreche. Ich spreche/ schreibe aus Erfahrung. Der Narzisst war gestern. Heute ist es noch mein verletztes inneres Kind. Aber irgendwann steht mein Fundament und dann bin ich einfach nur ICH.

Jeder Mensch ist ein Teil des Ganzen,das wir Universum nennen.Ein Teil,der durch Zeit und Raum begrenzt ist.Er erfährt sich selbst,seine Gedanken und Gefühle als etwas vom Rest Getrenntes,was eine Art optischer Bewusstseinstäuschung darstellt.Diese Täuschung,dieser Wahn ist eine Art Gefängnis für uns,welches uns beschränkt auf unsere persönlichen Wünsche und auf die Liebe zu wenigen,uns am nächsten stehenden Menschen.Unsere Aufgabe muss es sein, uns aus diesem Gefängnis zu befreien,indem wir den Horizont unseres Mitgefühls erweitern,bis alle lebenden Wesen und die gesamte Natur in all ihrer Schönheit umfasst. ( Albert Einstein)